

Article de G. Grossekräul ( Will HALL)






DER LAUBFROSCH, DÜSSELDORF,
2/27 Oktober 1928
« Düsseldorfer Ausstellungen im Oktober »
Das junge Rheinland (Kunsthalle)
Lebende ausländische Kunst (Alfred Fletcheim)
Düsseldorfer Künstlerbund (Kunstverein)
Diese drei Ausstellungen geben zu interessanten Vergleichen Gelegenheit. Galerie Flechtheim zeigt mittlerweile klassisch gewordene Impressionisten, Expressionisten und Kubisten. Die französische Kunst beherrscht das Bild. Romanische Geschmack und Stilsicherheit stellen ihre Ueberlegenheit mit überraschender Deutlichkeit heraus. Letzte künstlerische Offenbarung wird allerdings nicht erreicht; aber selbst gewagte Experimente gleiten nicht ab ins Wesenlose oder Groteske, wie bei zeitgenössischen deutschen Künstlern, sondern fangen sich immer wieder in starker künstlerischer Bewußtheit und traditionellem Sinn für handwerkliche Qualität.
Selbst da, wo die Leinewand nach einem Rezept bearbeitet wird, wie bei Leger und Juan Gris, steht dieses im Dienste eines überzeugenden Schmuckwillens. Künstlerischer Optimismus in höchster Steigerung. Es füllt schwer, zu glauben, dafl einer dieser Künstler jemals ein Bild abkratzt. Es ist ja kein Ideal da, an dem gemessen es schlecht wäre. Das Angestrebte wächst während des Arbeitsprozesses selbstverständlich in seine adäquate Kunstform hinein, und daß diese mehr oder weniger groll ist, bekümmert kaum. Vollendung ist in dieser mikrokosmischen Art der Kunst vielleicht nicht schwer zu erreichen, aber es geht eine unsägliche Beruhigung von diesen farbig linearen Harmonien aus, die einen bewußten Gegensatz zur überwältigenden Vielfältigkeit der Lebenserscheinungen bilden.
Ein blumenhaft feines Stückchen zeigt Raoul D u f y. Außerordentlich wirkt das „Stilleben 1925" von Pablo Picasso, wird aber an künstlerischer Intensität noch übertroffen von einem kleinen Bildchen Georges Braques: ..Früchtestilleben 1926". Derains ..Frauenkopf" und „Porträt eines Mädchen' sind Kabinettstückchen kultivierter Peinture. Dasselbe kann man von Gaston Louis R o u x s „Komposition" sagen. Ein übermäßig geschickter Routinier ist Maurice de Vlamink. Delikat, aber bläßlich, Jules Pasquin und José de Togores. Den unvermeidlichen Edelkitsch steuern Kees van Dongen und Marie Laurencin bei. Marc Chagall und Edward Munch, beide in dieser Ausstellung mit zwei Bildern vertreten, leiten über zu einer wesentlich anders gearteten Kunst, deren Charakteristik bei der Betrachtung der vom „Jungen RheinLand" veranstalteten Schau in etwa als Richtschnur dienen möge.
Allgemein menschlich erlebbarer Stoff wird Agens der Gestaltung und künstlerischen. Ausdeutung. Nicht erst das fertige Kunstwerk stellt den Kontakt zwischen Künstler und Betrachter her, sondern die Stoffwahl vermittelt bereits die Bekanntschaft. Auseinandersetzung, wenn man so sagen soll, ist stets der Sinn dieser Begegnung, nicht Anfreundung. Abgelehnt wird die Resignation einer in sich ruhenden Schönheit, gesucht Ueberwältigung durch Schönheit. An Stelle des Typischen, Massvollen tritt das Charakteristische, Gesteigerte. An Stelle Befriedung, Ergreifen. Religiöse Bindung löst hier die herkömmliche ästhetische Konzentration ab.
Ist es auch kein durchaus reifes Bild von Edward Munch, welches zu dieser Gegenüberstellung anregt, so weist es doch jene Verschiedenheit der Stoffwahl und Gestaltung auf, die ich hier betonen möchte. „ Mädchen im Garten ": Umgangen ist jene bei romanischen Künstlern beliebte ärabeskenhafte Vereinheitlichung des Stoffes (Matisse). Im Gegenteil wird das wesentlich Verschiedene krall betont, um dann nicht ohne Brutalität zu einer Einheit zusammengeschweißt zu werden — zur Bildeinheit. Marc Chagall umgeht solche Gewaltsamkeiten gern, drängt vielmehr heterogene Formelemente auf die Ebene des Irrationalen ab — und bildet Traumhaftes und Märchen. Auch Munch wirkt märchenhaft aber er predigt Märchen von gefangenen Energien, während Chagall Märchen von Wundern des Raumes sagt. Sowohl Munch als auch Chagall sind extreme Repräsentanten einer unromanischen Kunst, einer Kunst, die immer Harmonie, meistens auch Schönheit (in landläufigem Sinne) unbedingt zugunsten des Ausdrucks opfert. In der Ausstellung des „Jungen Rheinlands" drängt sich dem Beschauer auf, daß diese Gestaltungsart bei den jungen Künstlern die meisten Sympathien hat und sie zur Gefolgschaft bestimmt. Aber selten ist dem guten Willen ein weltanschaulich fundiertes Schauen gepaart. Ja, wenn technische oder darstellerische Elemente, sogar Zufälligkeiten, wahl- und sinnlos übernommen werden, um zum Ausgangspunkt persönlicher Bestrebungen gemacht zu werden, so rächt sich dieser Mißbrauch gerade mit groteskem Hervorkehren der inneren Leere, die übertüncht werden sollte. In dieser Ausstellung sind eigentlich nur zwei Künstler vertreten, die durch künstlerisches Formen und Ausdeuten ihrer Welt und durch Umreißen der persönlichen Kunstmöglichkeiten auffallen: Max Ernst und Otto Pankok. Pankoks Schwarzweißmalereien sind Gestaltungen überzeugender Gesichte und ebenso stark gekonnt, wie gewollt. Bilder wie „Kuh" und „Hahn" sind meisterhaft und geben Zeugnis von unmittelbarer Schau- und Ausdruckskraft. Max Ernst ist noch immer der konstruktivistische Träumer, der Objekte der Innen- und Außenwelt zu bedeutungsvollen fantastischen Gebilden zusammenzusehen versteht, weite ästhetische Perspektiven aufzeigend. In weitem Abstand zu diesen folgen « gute Maler » , wovon das Gros sieh mit Befolgen mehr oder weniger erprobter Maßregeln und dem Darstellen mehr oder weniger ansprechender Motive begnügt. Willem Stocke offenbart sein impulsives Talent mit einem sympathisch durchgearbeiteten, farbig gut abgestimmten Selbstporträt. In seinen übrigen Bildern ist er reichlich bravouriös. Diese Bravour erscheint neben einer peinlichen Genügsamkeit in bezug auf Ausgestaltung des Stoffes überhaupt als ein bedenkliches Merkmal der Künstler des „Jungen Rheinland". Das „heruntergehauene" skizzenhafte Bild (oft in widersinnigem Ausmaß) gibt der Ausstellung das Gesicht. Warum diese Angst vor Weiter oder Durchformung des Werkes? Bei eielen Künstlern ist sie allerdings berechtigt denn das Weiterführen würde einem Tofinalen gleichkommen. Bei Artur Erdle bedauert man unbedingt diese Unfertigkeit denn jedes seiner Bilder hat etwas zu wenig, als daß man es gut nennen dürfte. Sie sind „nebulös" im Goetheschen Sinne.
Nichtsdestoweniger sind von ihm hervorzuheben: « Schimmel auf staubiger Straße », « Kind mit schwarzem Hut ». Gute Talentproben bringen Macketanz mit „Straße", Peter Jansen mit .,Frau mit Fächer", Leo Nyssen (von dem man gern mehr sehen möchte) mit „Konstanze". Robert Pudlich mit verschiedenen Bildern. Auch Paul Schmitz bleibe nicht unerwähnt. Er stellt gute Impressionen aus, bei denen man jedoch feststellen muß, daß Anregungen von französischen und deutschen Impressionisten ihnen zum Dasein verholfen haben. Schumacher-Salig orientiert sein künstlerisches Empfinden an den Produkten von Vlamink. Er ist geschmackvoll, aber blutlos. Kurt Georg Becker verwertet allzu ungeniert die verschiedensten fremden Eindrücke; unzweifelhaft ist er begabt. Technisch reizvolle Radierungen zeigt in den Vitrinen Pa1ung. Gute Zeichnungen : Kurt Beckmann und August Oppenberg. Die von Chiccio Haller sind dagegen indiskutabel.
Leider ist die Plastik nur unzureichend vertreten. Kurt Beckmanns "Porträt Sch-S." und seine Kleinplastik „Liegende" sind anständige Leistungen. Professor Marks Kopf « Burri » ist ebenfalls charakteristisch und erwähnenswert. Interessant sind die Keramiken von Elisabeth Peiner und Felicitas Klatte. Eine Frage: Was hat ein mittelmäßiger Dilettant wie Albert Trill hase zu geben, daß man ihn hier zeigt? Die Welle, die den Infantilismus hochhob, ist doch ansonsten glücklich verebbt. Manches strebende Talent würde an seiner Stelle gern Arbeiten zeigen.
Der Ausstellung des „Jungen Rheinland" ist eine Schau von „Plastiken" und "Aquarellen" von C. M. Schreiner angegliedert. Wohl das Aufdringlichste, was seit langer Zeit in der Kunsthalle zu sehen war. Das Auftreten dieser PseudoMonumentalität und Genialität wirkt reichlich anachronistisch. Bloßes Geklexe mit Rot. Gelb. Blau und Grün ergibt noch kein Aquarell bloßes Gekritzele noch keine Zeichnung — und zu glauben, durch das Zusammensetzen grotesker und klobiger Formen Plastiken erzeugen zu können, ist unbedingt ein Mißverstehen der Bildhauerei.
Wenn mau solche Krafthuberei schlucken mußte, sind selbst künstlerisch zum Teil verfehlte Bilder wie die vom "Düsseldorfer Künstlerbund" im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen ausgestellten ein Genuß. Ehrliche Arbeit steckt in diesen Werken von Gerhard Jansen, J. P. Junghans, Ackermann und H. Angermeyer.
Ist das künstlerische Ergebnis im Verhältnis zur aufgewendeten Arbeit auch vielfach kläglich, so ist doch einem Gerhard Jansen zusammenfassende künstlerische Schau und einem Junghans und Ackermann malerische Delikatesse eigen die in des ersteren Tierbildern « Junger Stier » und « Kuhkopf » sowie verschiedenen kleinen Landschaften des letzteren bis in die Nähe von Gestaltung vordringt.
Junghans' „Stilleben mit Eichelhäher" ist ein Stückchen bester Düsseldorfer Malschule und wir verfehlen nicht, es Produzenten artistischer Mache, wie den Jungrheinland-künstlern Paul Bindet, H. B. Hundt und C. Schneiders als Beispiel gut fundierter, ehrlicher Malerei vorzuhalten.
Wenn oben von der Ueberlegenheit der französischen Kunst die Rede war, so möchte ich doch keinesfalls in den Geruch kommen, ein Sprecher für Nachahmung französischer Kunst zu sein. Nur auf die französischen Künstlern selbstverständliche Erkenntnis und Abgrenzung der eigenen Möglichkeiten, jene Beschränkung, die den Meister kennzeichnet, möchte ich hinweisen.
Liegt hier nicht eine wertvolle Keimzelle organischen Werdens und köstlichen Reifens? Fort von diesem verkrampften Mehrscheinenwollen als Sein. Der größte Feind der künstlerischen Persönlichkeit ist das Geltenwollen. Nicht der betriebsame, nur der mit seine in Stoff ringende, seine Welt ausformende Mensch vermag Künstler zu sein und ein Kunstwerk von bleibendem Wert zu schaffen.
G. Grossekräul


Article de G. Grossekräul ( Will HALL)


DER LAUBFROSCH, DÜSSELDORF,
3/3 November 1928
« Galerien und Kunsthandlungen »
Galerien und Kunsthandlungen in Düsseldorf sind vielfach mehr darauf bedacht, ihren Besuchern todsicher gefallende „Ware" (ob herkömmliche oder moderne spielt keine Rolle) zu bieten, als dem Publikum, der Kunst und der Künstlerschaft durch Anpreisung qualitativ einwandfreier Kunstwerke zu dienen. Einige „gutgehende" Lokalgrößen werden dadurch zu direkt unanständiger Ueberproduktion verleitet, während es dem Jungen, ernst strebenden Künstler einfach unmöglich gemacht wird, unmittelbar vor das kauflustige Publikum zu treten, denn an den Orten, wo er seine Werke zeigen kann, überwiegt das schaulustige.
Trotz der pompösen Rahmen, die den Wert des Bildes manchmal um ein Mehrfaches übersteigen, kann der Kunsthändler, da er selbst vom „Bilderfabrikanten" billigst beliefert wird, selbstverständlich bei einem solchen Werke mehr verdienen, als an dem eines Künstlers, der den Gewinn des Vermittlers natürlich gerne auf ein gesundes Maß bschränkt sieht. Die ideelle Seite des Kunstbetriebes und -vertriebes dürfte ruhig wieder etwas mehr in den Vordergrund gestellt werden, denn die Devise: make monney!, die unsichtbar, aber deutlich spürbar in vielen Kunstläden geistert, wird immer mehr Kunstfreunde die Vermittlung eines Ankaufes ablehnen lassen und sie in der Gewißheit, dort gut und billig kaufen, zu können, aufs Atelier des Künstlers führen. Jedoch macht sich neuerdings auch bei Galerien und Kunsthandlungen der Zug bemerkbar, Künstler, die vom Herkömmlichen abweichen, zur Sprache kommen zu lassen.
Frau Ey (Moderne Kunst, Hindenburgwall) hat mit den üblichen Praktiken des Kunsthandels in Düsseldorf wohl zuerst gebrochen. Sie verschmäht es nicht, manchmal auch Werke sehr problematischer Künstler zur Schau zu stellen. Sicher häufig auf Kosten des Geldbeutels. Denn daß Produkte, wie z. B. die Felix Nußbaums, der augenblicklich bei ihr eine kleine Kollektion zeigt, viele Bewunderer finden werden, ist sehr fraglich. Ist Nußbaum Autodiktat? Etwas Dilettantisches haltet diesen kleinforrnatigen Bildern an, die, zum Teil von feinem Farbenempfinden getragen, eigenwillige Umdeutung des Vorwurfes verraten. Die Frage, ob sein Können ausreicht, Kunst als Beruf zu betreiben, lasse ich offen. Gut gefällt mir das Bild mit gelbem Omnibus. Theo Champion, auch mit verschiedenen kleinen Bildern vertreten, ist geschmackvoll, wie stets, immer drängt sich allerdings der Eindruck auf, daß durch die stereotype Abwandlung seiner Motive nach redlich erworbenem Rezept seine Kunst zu allzufrüher Sterilität verdammt wird.
Max Ernst offenbart wiederum seine ästhetische Intelligenz in einer vieldeutigen Phantasie und einem konstruktivistischen Bildchen. Jankel Adler zeigt seine dekorative Sicherheit in einem Stilleben, Kurt Lahs geschmacklichen Eklektizismus in aparten Formungen. Den größten Teil der übrigen Bilder stellen die dem „Jungen Rheinland" angeschlossenen Künstler.
In mehr als einer Hinsicht interessant sind die Kollektionen von Christian Rohlfs und Gert Wollheim, zu deren Besichtigung die Galerie Stern einädt. Aus dem ehemaligen Kunstrevolutionär Wollheim ist mittlrweile ein routinierter Maler geworden, der sich sehr wohl der neuen, einst so verpönten Umgebung anpaßt. Die Einrichtung kunstgeschichtlich bedeutungsvoller Schöpfungen für den modernen Geschmack und den mondänen Salon scheint Wollheim zum Endziel seines Schaffens gesetzt zu haben. Eine ungewöhnliche manuelle Geschicklichkeit, Sinn für technische Raffinessen und ein fast skrupellos angewandtes Anempfindungsvermögen vereinigen sich, Werke von frappierender Wirkung erstehen zu lassen.
Diese Wirkung verblaßt allerdings meistens bei näherer Betrachtung und macht der peinlichen Vorstellung Platz, hier ordentlich düpiert zu werden. Ein unzweifelhaft Positives in diesen Werken ist das Auftreten einer extravaganten Phantastik, die sich malerisch in adäquaten Ausdrucksformen widerspiegelt, ohne aber durch Stete des ästhetischen Standpunktes dem Beschauer jene letztliche Beruhigung zu vermitteln, die selbst von weit phantastischeren Schöpfungen eines Goya und Kubin ausströmt.
An früher einmal beliebte « Pendants » Sommer, Herbst und Winter wird man vor der « Jägerin mit Kakadudommel erinnert: Makart ». Die damenhafte Empfindsamkeit in der farbigen Abstimmung, die Bildern wie „Küstenlandschaft" und „Sommerliche Waldstraße" eignet, steht in schroffem Gegensatz zum Ausmaß. Der Geist Oswald Achenbachs wurde hier augenscheinlich berufen, nicht, ohne sich eine launenhafte Brutalisierung gefallen lassen zu müssen. Bei dem „Pastoralen" standen viele Altmeister von Rembrandt bis Poussin Pate. Es ist im schlechtesten Sinne des Wortes eine Komposition. Die Bildeinheit ist dadurch erreicht, daß die verschiedensten Motive einheitlich mit billigen Effekten überzuckert wurden. Letztlich sind diese Köpfe, Hände, Bäume usw, (um auf Einzelheiten einzugehen) weder gesehen noch gekonnt, Die Kuh erscheint bei näherem Betrachten eine hölzerne Attrappe. Daß in Wollheim ein Künstler von Format steckt, zeigen solche Bilder, in denen er nicht Clownerien mit Gott weiß welchen Reminiszenzen vorführt, sondern sich mit dein zufrieden gibt, was ihm gegeben ist (und das ist nicht wenig).
Das Porträt der Tänzerin Barbakoff in feiner, blaugrauer Tönung und kompositorisch sicherer Fixierung des point de vue, das von der Städtischen Kunstsammlung angekaufte Bild „Dame mit Clown" in seiner meisterhaften Abwandlung des Weiß, sind Werke von großer Geschmacksicherheit, entbehren aber leider auch nicht ganz jenes Manierismus, der das Charakteristikum des Artisten in Wollheim ist, der den Künstler Wollheim so selten aussprechen läßt.
Ein Künstler von sympathisch eigenartigem Gepräge ist Christian Rohlfs, der als Greis noch immer mit Jünglinghafter Frische das ihn anregende Erlebnis gestaltet und Bilder voll starken inneren Lebens hinhaut, ohne zu künstlerischen Hochstapeleien Zuflucht nehmen zu müssen, wie sein Ausstellungspartner. Von ersten Anfängen bis zur heutigen Produktion bietet die Schau eine (nicht immer glückliche) Auswahl. Bilder von großer Köstlichkeit der Oberfläche sind dabei, wobei man bemerken muß, daß die sonst so gerne kunstgewerblich anmutende Teppichwirkung der Bilder ihren Wirkungsradius nicht eng eingrenzt, sondern die Ausdrucksfähigkeit im Gegenteil steigert, indem sie Mittel wird, den Stoff glaubhaft zu monumentalisieren, Delikates Grau, Grün, Blau in den frühen Bildern — wobei im Bildgefüge gern mit Weiß orientiert wird — steigen sich allmählich zu einem Rausch in Farben des positiven Spektrums, der unabhängig vom stets gut erfaßten Motiv als Farbspiel zu überzeugen vermag.
Ein gesundes, vitales, von keinerlei Skepsis gegen sich und die Welt erfülltes Malertemperament lebt sich hier zu seiner und anderer Freude aus. In seinen glücklichsten Stunden hat Rohlfs die Kraft, ich möchte wohl sagen, die Dinge so zu schauen, wie sie nicht sind, jene höhere Wahrheit und Bedingtelt zu erfassen, die sich im Märchen offenbart. Augenerlebnisse lassen sich nur mangelhaft mit Worten verdolmetschen, darum: anschauen! Mir gefielen besonders die Frühwerke „Wiese mit Gestrüpp", „Landschaft mit Spaziergängerin", sodann die „Alpen- und die Waldbilder", Das Aquarell, sonst Rohlfs gegebenstes Ausdrucksmittel, ist in der gezeigten Auswahl leider nur schwach und mittelmäßig vertreten, rundet aber nichtsdestoweniger den Eindruck, den Rohlfs künstlerische Persönlichkeit hinterläßt, günstig ab. Von einem jungen Künstler, Albert Henrich, zeigt die Kunsthandlung R. Kirberg einige Werke. In Motiv und Darstellung sachlich und apart, sind sie geeignet, viele Sympathien zu erwecken, was wohl berechtigt ist, wenn man diese Werke mit den von Margit Manz im graphischen Kabinett ausgestellten vergleicht, die ähnliche Motive dilettierend mißbraucht.
G. Grossekräul